:.:.: Blinde und Kunst :.:.:

Hatten Sie einmal ein Rendezvous in einem völlig finsteren Café?

Wie fühlt sich eine unsichtbare Skulptur an?

Muß man im Zeitalter der Bildschirme das Nicht-Visuelle besonders pflegen?

Ist die Dunkelheit ein Schutz für die Augen?

Wie wichtig ist Sehen überhaupt?

 
::::::::::::: aktualisiert am 21.04.2009 ::::::::::::

Inhalt dieser Seite:

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ÜBER BLINDE UND KUNST

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Scheinbar sichert das Sehvermögen "allein" den Zugang zur Welt. Flimmern und flackern doch allerorts die matten Scheiben und schnellen Schnitte, Buntheit regiert,...

Sprachlich wird Blindheit oft negativ besetzt: "blind läuft man in die Katastrophe", ist "mit Blindheit geschlagen", kaum der Rede wert, es handelte sich nur um "blinden Alarm".
Dagegen wird in Redewendungen wie z.B. "blinder Glaube", "blinde Liebe", "blindes Vertrauen" und dem "blinden Vermögen" einer Kunst oder Fertigkeit wie z.B. dem Musizieren ein Wissensbereich angesprochen, der jenseits der schlichten kognitiven Rationalität liegt.
Nur wenige Menschen haben eine Vorstellung davon wie es ist blind zu sein. 
Immerhin: Das Schließen des Auges, assoziiert das Blindsein eines jeden in jenem Augenblick. Blindheit ist nicht nur Verlust des Lichtes, sondern auch Chance zur Dunkelheit.

 

Als gemeinnützig ist 1992 der Verein "BLINDE UND KUNST e.V." in Köln gegründet worden.
Er ist ein bundesweiter Zusammenschluß blinder und sehender KünstlerInnen, sowie Kunstinteressierter.

Als offenes Forum ist Kunst für uns kein elitäres, abgehobenes Schaffen, sondern wurzelt im alltäglichen Tun. Gemeinsam möchten wir in diesem Zusammenhang neue künstlerische Formen entwickeln, die dem spannenden Verhältnis zwischen Sehen, Nicht-Sehen und den anderen Sinnen Rechnung tragen. Die Besonderheiten in den Arbeitsweisen und Themen blinder KünstlerInnen sind ein weiterer Schwerpunkt unseres Vereins.

Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, dann würde uns über eine Mail von Ihnen freuen!

MITGLIEDER:

Andrea Eberl

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http://www.andreaeberl.de


Michael Haaga

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Lebenslauf

Am 06.01.1971 wurde ich in Frankfurt am Main geboren. Da ich ein Sieben-Monats-Kind war, kam ich in den Brutkasten, wo ich erblindete. Im Alter von 13 Monaten zog ich nach Radolfzell, wo ich aufwuchs. Schon sehr früh begann ich, mich für Musik zu interessieren. Mit fünf Jahren bekam ich eine kleine Orgel, auf der ich mir selbst Schlager beibrachte, die ich im Radio gehört hatte. 1977 ging ich dann nach Schramberg-Heiligenbronn, wo ich die Grund- und Hauptschule absolvierte. Während dieser Zeit lernte ich Sopran- und Altflöte, sowie Noten und Musiktheorie. Da das Spielen nach Noten für einen Blinden sehr schwierig ist, befasste ich mich nicht weiter damit und spielte nach Gehör. Auf diese Weise brachte ich mir Klavier und Keyboard bei. Bis zur Schulentlassung 1987 spielte und sang ich mehrere Jahre in der Schulband. Anschließend ging ich für drei Jahre nach Stuttgart, wo ich die Wirtschaftsschule besuchte. Außer der Mittleren Reife erwarb ich dort die Ausbildung zum Betriebstelefonist, Stenotypist, bzw. Phonotypist. Musikalisch betätigte ich mich abermals als Sänger und Keyboarder in der Schulband. Im Jahre 1989 schrieb ich dann mein erstes Lied.

Ein paar Tage nach Abschluss der Wirtschaftsschule trat ich am 16.07.1990 eine Stelle als Telefonist beim Arbeitsamt in Villingen an, wo ich bis zum heutigen Tag arbeite. Im Jahre 1991 nahm ich zum erstenmal an einem Talentwettbewerb teil, den ich als Sieger verließ. Bei weiteren Wettbewerben konnte ich noch dreimal einen ersten Platz erreichen. Die Studioproduktionen, die ich auf diese Weise gewonnen hatte, nutzte ich dazu, bei Soundhouse Records in Aasen meine eigenen Songs zu produzieren. Den größten Teil der Arangements stellte ich im heimischen Amateurstudio zusammen. In den folgenden Jahren versuchte ich erfolglos, einen Plattenvertrag zu bekommen. Schließlich schaffte ich es mit Hilfe von Soundhouse Records, dass mein Titel "Alle Wege dieser Erde", interpretiert von Roman Singer, als drittes Stück auf einer Maxi-CD veröffentlicht wurde. Leider führten Schwierigkeiten seitens Singer mit der Plattenfirma dazu, dass es bei dieser Maxi-CD blieb. Neben den bereits genannten Instrumenten spiele ich noch Mundharmonika, Saxophon und Gitarre, wobei ich nicht jedes Instrument gleich gut beherrsche. Zum Komponieren und für die Produktionen verwende ich zwei Keyboards, ein portables Acht-Spur-Gerät, sowie einen DAT-Rekorder. Zum Schreiben der Texte benutze ich einen PC, der mit Zusatzkomponenten für Blinde ausgestattet ist. Wenn ich die Gelegenheit habe, meine Lieder öffentlich vorzutragen, begleite ich mich am Klavier. Meine Musik würde ich selbst nur ungern einer Kategorie zuordnen, da ich mich weder als politischen Liedermacher, noch als Schlagersänger verstehe. Vielmehr möchte ich Singen, was mir gefällt und was mich bewegt. Seit 1994 bin ich verheiratet und seit Juli 2001 habe ich einen Sohn.

 

Rudolf Petersen

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rcp
Rudolfo
geboren im Juli 1931 in Hamburg


Wie die Impressionisten meine Arbeiten in der Malerei beeinflußten, so hatten Karl Schuster, Erich Hemprich und Prof. Antes mir die Grundlage zur Kalligraphie und Eris Fuks-Marcovic
zur Ausstellungs-Architektur meinen Berufsweg geformt.
In der Bildhauerei gilt meine Bewunderung dem Meister Ernst Barlach. Bei der Suche nach einem eigenen Stil wählte ich das Thema "Der Mensch". Als Karikaturist habe ich den Menschen beobachtet und studiert und habe das Thema, trotz meiner heutigen Blindheit,genau vor Augen. Meine Plastiken und Skulpturen fertige ich in Ton, Speckstein und Marmor. Sie sind in gegenständlicher und abstrakter Form gestaltet.
Nov. 2000, Rudolfo

Rudolf Petersen
Hannoversche Str.2 A
21244 Buchholz

hier geht's zu den Plastiken und Skulpturen von Rudolf Petersen


AUSSTELLUNGEN

- 36 Geschäftsstellen der Commerzbank, 1975-1978
- Volksbank Buchholz, 1975
- „Sinnenfinsternis“ Kaifu-Artcenter, Hamburg, 1995
- „Sinnenfinsternis“ Stadtbibliothek Köln, 1997
- Kunstverein Cuxhaven, 1998
- „Lichtpause“ - " Kunst für Blinde und Nichtblinde" Hochbunker Ehrenfeld / Köln, 1999
- Mitgliedergemeinschaftsausstellung Kunstverein Cuxhaven, 2000

 

Robert Sandberg

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Lebenslauf

1970 gebohren von meiner Mutter
Aufgezogen und geprägt von 68ern

1975 bis 1987 Erduldung der Blinden- und Sehbehindertenschule Hamburg.
Erste Erfahrungen mit Bandmaschinen und eigenen Hörspielen.

1981 Der erste Schlagzeugunterricht.

1987 bis 1988 Ausbildung zum Telefonisten

1988 bis 1991 Arbeitslos.
Erste Banderfahrungen als Schlagzeuger

1991 Beschäftigung als Telefonist.
Ein Jahr Gitarrenunterricht, danach Autodidakt.

1992 erste eigene Band (Blind Date) mehrheitlich aus Blinden bestehend.

1993 Beteiligt an der Gründung des Vereins Blinde & Kunst.
Bis 1999 Mitgestaltung und Organisation des "Black Out" in Hamburg.

1997 Einstieg beim FSK (Freies Senderkombinat), ein unabhängiger linksorientierter Radiosender.
In der Kulturredaktion an Adorno und Habermaas gescheitert,
Rückzug in die Musikredaktion.
Im Mai, Erstausstrahlung meiner Sendung "Magic Bus" (Rock),
seitdem, monatlich.
Im Rahmen der Sendung, Interviews mit Fireside, Addict, Billy Bragg.
Ausstrahlung meines ersten Features, Eine Ode an den Fools Garden, (Hamburgs Kleinkunstbühne Nr.1, in der auch der "Black Out" stattfand).

1999 Gründung meiner aktuellen Band "Fading Ellusion".

2000 Transfair zum "Hamburger Lokalradio", (ein zwar konservativer,
aber dafür weniger chaotischer Privatsender).
Beitritt zur Radiogruppe des Blinden- und Sehbehindertenvereins,
die Sendungen mit Blindenspezifischen Inhalten produziert.
Eigene Beiträge hierzu mit Features über soziale Einrichtungen und
Reportagen über Veranstaltungen des Vereins.

2001 Mehrere Auftritte als "standup comedian", mit meinem Programm:
"In Sachen Blind"

Gelegendlich Schreibe ich Kurzgeschichten, oder Reiseberichte unter dem Aspekt:
"Als Blinder unterwegs".


Vorbilder:
Musiker: Bob Dylan, John Lenon, Keath Moon, Ginger Baker
Radiomoderatoren: Alan Banks, Peter Urban
Kabarettisten: Dieter Hildebrand, Hans-Dieter Hüsch, Matthias Richling, Peter Sellers

Kurzgeschichten von Robert Sandberg

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Blinde müssen Götter sein.

Bericht einer außerirdischen Forschungsexpedition,
nach einem Besuch auf der Erde.


Bei unserem Besuch im Sonnensystem Z73 F52809 fanden wir heraus, dass der Blaue Planet von einer uns sehr artverwandten Spezies bewohnt wird. Überhaupt muss die bio- und geologische Entwicklung des Planeten ähnlich der unseren verlaufen sein. Die einzigen Unterschiede zwischen unserer Rasse und den intelligenten Bewohnern des Blauen Planeten sind, dass einzelne Gruppen von ihnen sich auf noch völlig unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden, dass es viel mehr unterschiedliche Sprachen gibt als bei uns, dass sie ihrer Hautfarbe eine uns unbekannt gebliebene Bedeutung beimessen und dass sie durchschnittlich nur 3 viertel unserer Körpergröße erreichen. Die höchst entwickelten ihrer Art sind unserem technischen Standart schon recht nahe. Wir rechnen damit, dass sie in 150 bis 200 Sonnenumkreisungen unseren jetzigen Entwicklungsstufe erreichen werden.

Was uns befremdet hat, ist die seltsame Götterverehrung der Blauplanetarier. Die Götter unterscheiden sich zunächst kaum von den gewöhnlichen Bewohnern des Planeten. Sie bewegen sich teilweise anders und führen, wenn sie sich im Straßenbild zeigen immer einen weißen Stab mit sich, den sie auf eine bestimmte Weise vor sich herschwenken. Es muss sich dabei um eine Art Königszepter handeln. Aus einem uns unerklärlichen Grund haben die Götter des Blauen Planeten kein Sehvermögen. Einige tragen sogar gläserne Augen, die sie herausnehmen können, was ein fürchterliches Ritual zu sein scheint, da es die umstehenden Anbeter in Angst und Schrecken versetzt. Zu der Erkenntnis, dass es sich um Götter handelt, sind wir durch das Verhalten der gewöhnlichen Blauplanetarier gelangt. Wenn ihnen einer der Götter begegnet, laufen sie zu ihm hin, um ihn anzufassen. Wahrscheinlich versprechen sie sich eine segensreiche oder gar reinigende Wirkung davon. Es kann passieren, dass ein Gott sich über dieses impertinente Verhalten lautstark empört. In solch einem Fall bleibt der Frevler meist betroffen stehen und sieht dem Gott lange traurig nach. Oft stürmen mehrere auf einen der Götter ein und reißen sich förmlich darum, ihn anfassen zu dürfen. Auch wird Ihnen, wo immer sie sich zeigen, respektvoll Platz gemacht, wogegen man mit seines Gleichen im Allgemeinen recht rücksichtslos umgeht. Viele der Planetarier sehen den Göttern auch nur gebannt und andächtig nach. Es kommt vor, dass der Eine oder Andere dabei vor Ergriffenheit in Tränen ausbricht.

Einige der Götter tragen gelb leuchtende Binden mit 3 schwarzen Punkten am Arm. Das lässt uns vermuten, dass es eine Art Hierarchie unter ihnen gibt. Wahrscheinlich gehören diese Götter einer höheren Kaste an, was sie durch das Tragen der Binde mit den Punkten zum Ausdruck bringen. Wir fanden es erstaunlich, dass die Götter ganz normal am Leben der Planetarier teilnehmen. Außer den oben genannten Unterschieden im Auftreten und der Verhaltensform, sind uns keine nennenswerten Besonderheiten aufgefallen. Auch war nicht herauszufinden, was die Götter vermögen und über welche Macht sie verfügen. Es ist anzunehmen, dass sie die ersten Bewohner des Blauen Planeten waren und sich vor circa 30 bis 40.000 Sonnenumkreisungen die anderen Bewohner zum Ebenbild geschaffen haben, um von ihnen bedient zu werden. Allerdings haben die Götter, als sie ihren Kreaturen die Gabe des Sehens verliehen, nicht gewusst, welches Unheil sie damit über sich bringen würden. Wahrscheinlich wollten sie selbst nicht sehen, um die Vielseitigkeit ihrer Wahrnehmung nicht durch diesen dominanten Sinn einzuschränken. Andererseits wussten sie jedoch auch um den Vorteil des Sehvermögens und statteten ihre Geschöpfe damit aus um sich leistungsfähige Diener zu schaffen. Einige der Götter, die damit nicht einverstanden waren, zähmten sich gut sehende Tiere. Für diese Abtrünnigkeit nahm man ihnen allerdings das Privileg, das Zepter oder den Ritenstab tragen zu dürfen. Ihre Befürchtungen jedoch bewahrheiteten sich. Die Wirkung des Sehsinnes auf die Blauplanetarier, war verheerend. Sie berauschten sich an der Gabe, mit der sie gar nicht um zu gehen wussten. Die feineren Sinne verkümmerten und das Sehen wurde verherrlicht.

Der Grund weswegen die Götter heute noch angebetet werden, liegt vermutlich darin, dass im Unterbewusstsein der Blauplanetarier immer noch eine weit zurückreichende Ehrfurcht vor den ursprünglichen Herrschern des Planeten verwurzelt ist. Im Zuge einer allgemeinen Rückbesinnung auf spirituelle Werte gewinnen außerdem die einzig den Göttern verbliebenen edleren Sinne wieder an Bedeutung. Man schreibt ihnen magische Kräfte zu, ohne genau zu wissen, zu was sie befähigen.

Wir empfehlen, den Blauen Planeten zu Forschungszwecken unter Beobachtung zu behalten.
In der nördlichen Hemisphäre gibt es in der Nähe von bewohntem Gebiet Kornfelder, die sich hervorragend für die Landung eignen.

Reiseberichte von Robert Sandberg

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Begegnung im Zug

Ich saß an einem Tisch im Bistrowagen des IC von Berlin nach Hamburg. Rechts von mir war ein frei zugänglicher Sitzplatz. Der Platz, auf dem ich saß, bildete mit dem links von mir eine Eckbank. Ich versperrte also den Zugang zum freien linken Platz und hatte außerdem meinen Rucksack darauf gestellt.
Irgendwann setzte sich jemand auf den rechten Platz. Nach einiger Zeit
ging jemand hinter mir vorbei, stellte sein Getränk auf dem Tisch ab
und begann wild zu gestikulieren. So hörte es sich zumindes an. Er hatte
eine "Wetterjacke" an, aus einem Stoff, der bei der kleinsten Bewegung
Geräusche verursacht. Ich dachte zuerst, "Entweder der ist durchgeknallt,
oder er steht unter Drogen, So hektisch, wie der zappelt.!
Das ging so einige Minuten. Auf einmal kam mir der Gedanke, es könne sich um einen Gehörlosen handeln, der Gebärden macht. Ich wendete mich an den rechts von mir Sitzenden, um ihn zu fragen, ob das so sei: "Entschuldigen sie?" - Als ich keine Antwort bekam, wurde mir die Situation schlagartig klar. Die Beiden gehörten offenbar zusammen und hatten sich wahrscheinlich über die Schwierigkeit unterhalten, mir klar zumachen, dass ich den Nachgekommenen durchlassen sollte.
Ich überlegte kurz, was ich tun könnte, um mir volle Gewissheit zu verschaffen. Dann nahm ich meinen Rucksack hoch und strich mit dem Handrücken an der Rückenlehne hoch. Der Stehende sagte: "ja". Ich Nahm den Rucksack ganz weg und stand auf, um ihn durchzulassen.
Dann saßen die Beiden sich gegenüber und ich konnte hören, wie sie sich
unterhielten, wenn ihre Hände mal den Tisch berührten. Ich habe mich über dieses Ereignis so gefreut, dass ich mal den Einen, mal den Anderen
anlächelte. Mir fiel aber kein Weg ein, darüberhinaus zu kommunizieren.
Zum Schluss habe ich mir am Tresen einen Kulli besorgt und versucht etwas aufzuschreiben. Leider bin ich, außer bei meiner Unterschrift, nicht im Schreiben geübt und es hat nicht hingehauen. Meinen Namen konnten sie wohl lesen und sie sprachen "Robbie" aus. Ich nickte und sie stellen sich als Steven und Martin vor, wobei ich mir bei der Schreibweise von Steven nicht sicher bin. Es könnte ja auch das englishe Stephen gemeint sein, das genauso ausgesprochen wird.
Als wir Hamburg erreichten zog ich mich an. Kurz bevor ich ging, sagte einer das Wort "E-Mail". Ich weiß nicht, was mir die Gedanken vernebelt hat, dass ich nicht geschaltet habe. Erst auf dem Bahnsteig wurde mir klar: Das war ein Angebot bzw. ein Versuch zur Kontaktaufnahme. Ich ärgere mich schwarz, dass ich nicht reagiert habe. Ich hätte ihm ja bloß den Stift hinhalten müssen, als Zeichen, dass er aufschreiben soll. Um die verpasste Chance wieder gut zumachen, habe ich eine Suchanzeige in einigen Internetseiten von Gehörlosen-Organisationen platziert. Die Beiden haben sich noch nicht gemeldet, aber es sind auf die Schilderung meines Erlebnisses hin schon positive Reaktionen von anderen Gehörlosen eingegangen.

Ich habe mich so über diese Begegnung gefreut, weil Blinde und Gehörlose normalerweise keine Berührungspunkte haben, eben weil die Kommunikation denkbar schwierig ist. Ich hatte, zumindest für einen kurzen Moment, das Gefühl, die Barriere überwunden zu haben.

Robbie Sandberg


Siegfried Saerberg

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Lebenslauf

Siegfried Saerberg, geb. 05.06.61 (Magister) studierte Soziologie und Philosophie in Köln und Konstanz. Nach Mitarbeit an der Universität Konstanz (1990 - 1992), seit 1993 verschiedenste künstlerische Projekte:


Mitarbeit beim „Dialog im Dunkeln“ von 1990 - 1993. Unter anderem Ausstellungsleiter in der „Markthalle Hamburg“ (1992) und Naturhistorischen Museum Wien (1993).

Mitbegründer des Vereins „Blinde und Kunst e.V., Köln“ (1992).
Hierbei künstlerische Direktion, Konzeptentwicklung und Projektleitung von 1993 - 1997.

Künstlerische Leitung der Ausstellung „Sinnenfinsternis“ vom 18.01.97 - 08.02.97 in der Kölner Zentralbibliothek am Neumarkt.

Projektleiter des „Café Finsternis“ in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Rundfunk anlässlich der Freiburger Hörspieltage vom 13. - 16.12.97.

Personelle und konzeptionelle Betreuung des „Café Finsternis“ in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Rundfunk und „Blinde und Kunst“ vom 28.-30.08.99 in der Mainzer Staatskanzlei und vom 08.-10.10.99 im Museum für Technik und Arbeit in Mannheim.

Akustische Dokumentation des „Klangraumes Ruhrgebiet“ und audielle Gestaltung der Ausstellung „Unten und Oben - Die NaturKultur des Ruhrgebietes“ beim „Ruhrlandmuseum“ Essen im Rahmen des IBA-Projektes „Historama 2000“.

Kompositionen für Gitarre, Stimme und Perkussion.

Eigene Texte zwischen Lyrik, Assay und Kurzgeschichte, darunter
Die Abenteuer des Herrn Sehlos“ (Erzählungen).

Lichtpausen - Klang und Stimme der Nacht“ in Zusammenarbeit mit Thomas Zwerina seit Oktober 1999.


Publikationen:

Siegfried Saerberg „Geradeaus ist einfach immer geradeaus - Eine lebensweltliche Ethnographie blinder Raumorientierung“
(PDF)
UVK Verlagsgesellschaft:www.uvk.de/soziologie

„Blinde auf Reisen“ Böhlau-Verlag Wien-Köln-Weimar 1991

Hörspielproduktion „Café Finsternis“ beim SWR, gesendet am 26.12.97

„Nachtwanderung“ CD im Eigenverlag 1997

„Klangraum Ruhrgebiet“ in „Unten und oben - Die NaturKultur des Ruhrgebietes“, Katalog zur Ausstellung

„Klanglandschaft Ruhrgebiet“ CD beim Ruhrland-Museum Essen 2000

Kurzgeschichte von Siegfried Saerberg

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Herr Sehlos und das Weihnachtsfest

Herr Sehlos ernährt sich seit Tagen nur von Zimtsternen und Yogitee. Warum? Er ist eingetaucht in den magischen Kreis des Seins. Und dieser hat es einmal mehr mit sich gebracht, dass das Weihnachtsfest mit all seinen adventischen Vorläufern auf die Erdenkinder zurollt. Und so findet man Sehlos schon Mitte November im Hinterzimmr seiner kleinen Wohnung sitzend und sinnend. Hinterhoftaubengegurre, der einsetzende Herbstregen und der unvermeidliche Zimmerspringbrunnen umspülen seine Gedanken: „Festes und Flüssiges ziehen einander an - als Gegensätze - versteht sich.“ Sehlos baut Brücken: „Zimtsterne und Tee sind wie Licht und Dunkel? Also steckt auch ein Teil weihnachtlicher Gedanken in dieser Geschmacklichkeit?“
Aber was soll er als ein blindes Subjekt, das er ja nun einmal ist, eigentlich vom Glauben an ein physikalisches Phänomen und seine alltägliche pyromanische Unsetzung halten?
So soll sich ja in einer vorweihnachtlichen Dunkelheit allmählich ein allgemeiner Beleuchtungszustand ausbreiten - erst ein Lichtlein, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.
Bis alles prächtig illuminiert ist: die Tannenzweige, die Schaufenster und die Herzen.
Darf man das alles wirklich als tollen Aberglauben entlarven?
Oder muss man versuchen, sich mit einer Mischung aus Forscherdrang und Mitmenschlichkeit in die Herzen seiner Zeitgenossen hineinzuversetzen?
Ja, es wird da dem Mitmenschen in Sehlos inbrünstig zumut , denn kann er doch so endlich einmal leibhaftig zwischen Kerzen und Tannen Anteilnahme zeigen.
Und der neugierige Forscher- Sehlos erhebt sein stolzes Haupt , denn hier lassen sich Sitten und für Wahr halten eines höchst bemerkenswerten Volksstammes hautnah studieren.
Seinen Entschluss fällt Sehlos allerdings weniger aus theoretischen, als aus praktischen und spielerischen Gründen. Denn gewiss hat er ein Fabel für Kerzen und Tannenzweigkonstruktionen. Für heißen und flüssigen Wachs und dergleichen.
So ist es nicht verwunderlich, dass er sich um den Erwerb eines jener vorweihnachtlich magischen Gegenstände bemüht - auch weiterdenkend „vorausschauend“, wie er nun mal ist, in Hinblick auf die Idee des Weihnachtsbaums. Rom ist auch nicht in einem Tag erbaut worden - aber immerhin in einer Nacht abgebrannt. Und daher schmiedet Sehlos einen Plan für alle Eventualitäten, trennt das wünschenswerte vom zu vermeidenden.

Inmitten des Küchentisches, der ob seiner in langen Jahren bewährten Robustheit mehr als prädestiniert dafür erscheint, findet das adventische Gelicht seine Heimstatt. Bar aller schlechterdings feueranfälligen Hüllen, wie Tischdecken, steht der alte Tisch nun da. Auch Gardinen, Teppiche oder Tücher jeder Art sind von Sehlos in die Verbannung geschickt worden.
Zwischen geplättete und frisch benadelte Fichte schiebt er noch die überdimensionale Terrakottaproduktion aus dem Blinden-Töpferkurs, die so endlich auch einen späten Sinn erfährt. Als potentielles Löschutensil plaziert er die alte Blumenvase, des greisen und trockenen Benjamin höchster und rarer Labsalspender, ins leere innere des Tannenkreises - was vermittelst verdunstender Feuchtigkeit noch den zusätzlichen Effekt hat, dass das frisch geflochtene Grün vor dem vertrocknen bewahrt wird.

Dann beginnt Sehlos mit seinen pyromanischen Exerzizien. Er lässt sein Haupt über den frisch entflammten Dochten schweben, saugt das gewärmte Gasgemisch tief in die Lungen ein und nippt genüsslich am duftenden Elixier aus Tanne und Bienenwachs. Denn dies darf festgehalten werden: Als erstes Resultat seiner Forschungen trägt Sehlos in sein dickes Weihnachtsbuch ein, dass Kerzen aus jenem Stoff als ein den sinnlichen Genuss steigerndes Mittel zu erachten sind.
Eine besonders dichte Gesamtästhetik wird damit erzielt, dass der Versuchsleiter diese Komposition abwechselnd durch den Duft von Orangen und Mandarinen variiert. Eine Sache aber gibt es, die er noch nicht zur Zufriedenheit beherrscht: Das ist der rein praktische Vorgang der initialen Illumination - also das Entzünden der Dochte. Denn immer verbrennt er sich die Finger, was an sich nicht so schlimm wäre, wenn nicht der Gestank nach verkohltem Gewebe den Genuss maßgeblich stören und fundamental beeinträchtigen würde.

Hier beginnt ein neues Kapitel in den Sehlos´schen Ermittlungen:
Blinde Raucher müssen doch wohl im Umgang mit Zündendem und Entzündetem Rat wissen. Und hier ist, was Sehlos erfuhr:
Das Feuerzeug in der Rechten mit geringem Abstand unter das Ende des Lustobjektes haltend, dasselbe im Mund, mit der freien Linken knapp am Ende des zu entzündenden den Grad der Hitzeentwicklung vorsichtig kontrollierend, das ganze unter ständigem Einsaugen ist die amtliche Prozedur.
Nur dumm, dass sich das weihnachtliche Lichterwerk so beschwerlich in den Mund stecken lässt ...

Nun strebt der ewige Kreislauf aller Dinge und Geschehnisse seinem alljährlichen Höhepunkt zu. Wir können nun Herrn Sehlos beobachten, wie er rastlos über diverse Weihnachtsmärkte wandert, auf der Suche nach dem Baum seiner Träume.
Dieser darf kein Igelwesen sein - seine Nadeln müssen die Wangen sanft liebkosen, aber dennoch eine gewisse baumhafte Lebenskraft ausstrahlen.
Entscheidend aber ist der Duft nach harzigem Holz, Wald und Erde. Und so steckt Sehlos bei jeder neuerlichen Baumbegutachtung sein Haupt, die Nase voraus, tief ins Nadelkissen. Lässt das grüne Kleid über die Gesichtshaut streichen, um so Duftqualität und Sanftheitsgrad feststellen zu können.
Endlich ist er fündig geworden und schleppt das zusammen geschnürte Ding, das mehr einer Art Lanze als einem Baum ähnelt, durch die Fluten des Weihnachstmarktes. Presst es eng an seinen Körper, um niemanden aufzuspießen, um nicht dem Kaufrausch geweihtes Verpackungsmaterial aufzuschlitzen, und den geheimen Inhalt einer vorzeitigen Dekuvrierung anheim fallen zu lassen.
Überhaupt sind Weihnachtsmärkte im besonderen Maß etwas für Sehlos: Zwischen Duftinseln aus Grünkohl, aus Anis-, Nelken- und Zimtgewürz und den zwiespältigen Schwaden von Glühwein hindurch navigiert er sich benebelt über eine inzwischen frostig gewordene mit Schneematsch angefüllte jinglebells bimmelnde Klangfläche.
Immer wieder findet er, ohne wirklich danach gesucht zu haben, engsten Kontakt mit Ständen und Stammesangehörigen der Weihnachtler.
Im letzten Winkel der Straßenbahn Unterschlupf suchend, in den Straßen das Ding durch den eigenen Körper schützend hält er endlich mit einem Triumphgefühl in seiner Wohnung Einzug.

Was Herr Sehlos nun aus prinzipiellen Gründen und kraft seiner, durch die Forschung belegten Erfahrungen ausdrücklich ablehnt, sind die bei den Weihnachtlern in den letzten Jahrzehnten stark in Mode gekommenen Utensilien elektrischer Beleuchtung. Lichter müssen gewissermaßen aus Fleisch und Blut, aus Wachs und Flamme sein, Surrogate sind für Sehlos tabu. Also müssen echte Kerzen her. Nur die erzeugen die nötige Wärme, um den Baum zu einem duftenden Sinnenschmaus werden zu lassen.
Folglich beginnt nun die Räumung der Kultstätte von entzündbarem Material. Ort der heiligen Handlungen wird diesmal das Springbrunnenzimmer sein, in welchem eben jener Beglücker des menschlichen Ohres ein unschätzbares Wasserreservoire darstellt. Sehlos installiert vorsorglich weitere Wasserbehälter, auch ein alter Gartenschlauch wird am Küchenhahn angeschlossen und lauert so gut wie Einsatz bereit direkt vor der Festraumtür, um das innere Ambiente nicht zu stören. Bimmelndes und klingelndes Gerät, wie Lametta ähnliche Fäden, kleine Glöckchen und aneinander reibende Christbaumkugeln lagert er aus: Nicht am Körper des heiligen Baumes, sondern an einer etwas zugigen Stelle des Zimmers werden diese arrangiert. Hierzu führt der kriechende Sehlos, das Gesicht in die Luftturbulenzen gestreckt, erneut eine gründliche Testreihe durch, um auch bei geschlossenen Türen und Fenstern die geeignete Stelle zu eruieren. Denn alle Luken müssen im Kultzimmer dicht sein, damit der Weihnachtsduft nachhaltig konserviert werden kann.

Die Kerzen sind so anzubringen, dass sich oberhalb ihres Dochtes kein Zweigwerk in entzündbarer Entfernung mehr befindet. Das abgeschnittene Tannenmaterial verwertet Sehlos natürlich als Duftspender auf der Heizung weiter.
Und nun naht der Tag, oder besser, die Nacht der Entscheidung: Sehlos hat allen Versuchen, ihn zum geselligen Weihnachtsschmaus aus seiner Wohnung zu locken, widerstande , das Telefon stillgelegt, die Heizung zwecks Unterstützung des Baumgelichtes hochgefahren und befindet sich mittlerweile im allerhöchsten Spannungszustand.
Der Zeremonienmeister bringt sich durch mehrmaliges Abspielen einer alten, knisternden Kirchenglocken-Schallplatte in die rechte, sakral Stimmung. Danach nimmt die Illumination, wie adventisch geübt ihren Lauf. Reihenfolge und Standorte sind exakt konzipiert - methodisch kontrolliert und durchdacht.

Und dann sitzt Herr Sehlos, Tee und Gebäck in sich aufnehmend, in absoluter Stille und Spannung vor dem Baum, lauscht auf das erste Knistern eines brennenden Zweiges, die Hand am Wasserkrug, in regelmäßigen Abständen an den Kerzen fühlend, wie weit sie bereits heruntergebrannt sind und wartet auf den Weihnachtsrausch.
Nach der dritten Erneuerung des wächsernen Feuerwerkes ist er dann da. In der Hochkonzentration aller Sinne erscheint ihm eine Art friedvoll erwärmtes Besonnensein - ein lufthauch bewegtes Gebimmel und Schaben, ein leicht fauchendes Sauerstoffgeknabber und Geknister - eine harzige Stille, auf deren duftendem Golfstrom züngelnde Flämmlein treiben, die auf Sehlos´ Haut ein pulsierendes, wiederspiegelndes Echo finden.
Dann löscht Sehlos die Lichtlein und verläßt die Wohnung.
Es verlangt ihn nach Kühle und Bewegung in den leeren und dunklen Straßen.

Lichtpausen - Klang und Stimme der Nacht von Siegfried Saerberg und Thomas Zwerina

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Der stark sehbehinderte Künstler Thomas Zwerina (29.12.65) und der blinde Künstler Siegfried Saerberg (05.06.61) präsentieren mit „Lichtpausen“ ein Programm, das Musik und Text, Sprache und Ton, auf besondere Art zusammenklingen läßt.

Die Rezitation eigener Lyrik und Kurzprosa ist eingebettet in Saerbergs virtuoses, an der spanischen Klassik geschultes Gitarrenspiel und Zwerinas sensibel-impressionistischen Klang auf dem Flügel.
Text und Musik sind gleichberechtigte Ausdrucksformen, deren Zusammenklang erst den eigenständigen Charakter ihrer Kompositionen ausmacht.

„Lichtpausen“ setzt bei den unbeobachteten Momenten des Lebens an, in denen die Scheinwerfer einer tendenziellen Beleuchtungstotale herabgeblendet sind, und läßt im Gegensatz dazu die Bilder im Kopf der Zuhörer erscheinen.
Die Texte sind tiefsinnig, aber auch amüsant:
„Der Fischer und das Licht“ sucht dem Thema in beinah archaischer Motivik auf den Grund zu gehen. „Das Fenster“ zeichnet in impressionistischer Dichte und mit zarter Linienführung das hörbare Bild eines beinahe alltäglichen Geschehens.
Eigenwillig und doch selbstironisch bewegt sich „der blinde Maler“ über die Flächen seiner Leinwand und der blinde Reisende in seinen „Nachtwanderungen“ über die Strände seiner sonnenhungrigen Mit-Reisenden, während „Kater Menkey“ den nur Schelmen zugänglichen Seiten der Dunkelheit nachspürt.

Aber auch Geräuschcollagen, die ohne Text auskommen, haben einen festen Platz im Programm. Beide Künstler lieben insbesondere die Erkundung ungewöhnlicher Klangdimensionen:
Alles, was man sieht, kann auch zum Klingen gebracht werden - ja selbst Unsichtbarem, wie z.B. der Luft, kann man Töne entlocken.
So entstehen Klanginventionen mit eigenem Charakter, die Alltags- und Naturgegenstände wie Plastikfolie oder Ziegelsteine in den Focus einer ungewohnten "Erhörung" rücken.

„Lichtpausen“ entwickelte sich aus einer kurzen Performance anlässlich der Vernissage zur Ausstellung „Lichtpause - Kunst zum Begreifen“ des KEK im Ehrenfelder Hochbunker (Köln). Das komplette Programm erlebte seine Premiere am 21.10.2000 im Kölner Atelier-Theater. Es folgten Aufführungen am 26.11.2000 im Löhrerhof (Hürth), am 29.04.2001 im Städtischen Theater Aachen, am 12.10.2001 in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Salzgitter und am 26.01.2002 im Stadttheater Gießen.

hier geht's zum Artikel über "Lichtpausen" in der Gießener Allgemeinen


Thomas Zwerina

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Lebenslauf
Thomas Zwerina

Thomas Zwerina, geb. 29.12.1965, (Studienrat)
studierte Anglistik und Germanistik in Gießen (1988-1993) und unterrichtet seit 1996 an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar. Seit dem Schuljahr 2002/2003 mit dem Schwerpunkt als Lehrer für das Zuhören (Audiopaedie) tätig.

Seit dem WS 2005/06 Lehrbeauftragter der Philippsuniversität Marburg am Fachbereich "Erziehungswissenschaften" im Institut für Schulpädagogik

Seit 2003 regelmäßiger Gastreferent für den Bereich "Inszenierung von Literatur im Deutschunterricht" an der JLU Gießen, Fachdidaktik Germanistik

Im Sommersemester 2003 mit Lehrauftrag an Justus-Liebig-Universität Gießen am Institut für Schulpädagogik mit dem Übungsseminar "Körper, Atem und Stimme"

Theater-Workshop Leitung anlässlich der "Disability Studies" an der Sommer-Uni Bremen 2003 im Europäischen Jahr der menschen mit Behinderung

Preisträger des "8. Jungen Literaturforums Hessen/Thüringen" 1991.

Preisträger beim 2. Gießener Poetry Slam (Dez 2001)

"...ins herz gewürfelt..." - Musikalisch-literarisches Programm mit Evi Lerch (Rezitation und Gesang)und Thomas Zwerina (Klavier, Rezitation und Gesang), zZuletzt für das Atelier Peter Seharsch in Lich/Muschenheim am 11. und 18.12.2005.

Seit 1999 "Lichtpausen – Klang und Stimme der Nacht" Ein musikalisch-literarisches Programm mit Siegfried Saerberg (Gitarre, Rezitation und Geräuschewerk) und Thomas Zwerina (Klavier, Rezitation und Geräuschewerk). Aufführungen u. a. am 26.11.2000 im Löhrerhof (Hürth), am 29.04.2001 im Städtischen Theater Aachen, am 12.10.2001 in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Salzgitter am 26.01.2002 im Alten Schloß Gießen, am 01.09.2002 in Zusammenarbeit mit dem FAB im Kulturhaus „Schlachthof“ in Kassel, am 22.01.2003 im Rahmen der Reihe „Kultur im Foyee“ beim SWR in Mainz, am 29.11.2003 als Finissage der Ausstellung "Klang der Steine" im Ruhrlandmuseum Essen und am 02.09.2004 als Vernissage der Ausstellung "Lichtpausen" im Bundesministerium für Gesundheit in Berlin sowie in der "Galerie Sievi" am 04.09.2004 (Berlin) und am 12.11.2004 im Giessener "Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung"

Assoziiertes Mitglied im Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Schriftsteller in Deutschland von 1991-1998 (öffentliche Lesungen im Rahmen dessen, interne Publikationen sowie die Herausgabe einer internen Tonbandzeitschrift von 1994-1997)

Mitglied im Verein "Blinde-und-Kunst e.V." (Köln). Damit verbunden "Blackout"-Projekte in der Bundesrepublik Deutschland, darunter Projektleiter und Künstler im Blackout Gießen (19./20.02 1999) und beim 8. Mittelhessischen Kultursommer 2000 vom 29.06.-01.07.2000 in Lich und Marburg/Lahn.

Personelle und konzeptionelle Betreuung des "Cafe Finsternis" in Zusammenarbeit mit den Süddwestdeutschen Rundfunk und "Blinde und Kunst" vom 28.-30.08.99 in der Mainzer Staatskanzlei und vom 08.-10.10.99 in Museum für Technik und Arbeit in Mannheim.

Personelle und künstlerische Betreuung des "Cafe Finsternis" in Zusammenarbeit mit den Belgischen Vogelnaturschutzbund und "Blinde und Kunst" in Wallerode und Eupen in Belgien (Aug. und Okt. 2003)

Projektleitung für den Friedberger Blackout anlässlich der Wetterauer Direktvermarkter Messe 2002

Schauspielerische Tätigkeit, u. a. in der What-Ho-Drama-Group als Giles Traverse und Lord Exrake in The Grace of Mary Traverse n. Timberlake Wertenbaker, Aufführungen im American Keller Theater in Gießen, Dez. 1995.

Mitwirkender beim "Filitosa"-Projekt mit Aufführungen in den Marburger Waggonhallen (April/Mai 2002)

Sprecher beim Rezitationsprojekt "Echolot" (nach Walter Kempowsky) im "Kino Traumstern" in Lich (Nov 2002)

Sprecher bei der "Schiller-Party" am 28. Mai 2005 in Halle


Publikationen:

- Klavierkonzert in f-Moll" in "Nagelprobe" Suhrkamp (1991)

-
„Undines Tod“ in "Der Literaturbote" (1992) und Südwestfunk (1992)

- "Schlüsselkind" in "Der Literat" (1992) und in „Leben und Weg“ (1996)

- „Exiliert, Ecke 52nd Street“ im Hessischen Rundfunk (1993)

- „Waldgang“ in „Die Gegenwart“ (1995)

- "Die Parabel vom blinden Maler" gesendet im WDR am 04.02.1998 und im Deutschlandfunk am 12.06.1999.

- "Retinitis Pigmentosa", „Die Parabel vom blinden Maler“ sowie Auszug aus „Sebi, Sebastian“ in Lesestücke für Sehleute, Münster: Lit-Verlag (1998)

- "Versprechungen" in "Jahrbuch 1998" Deutscher Blindenverband e.V (Hrsg) sowie HR4 (1999)

-
„Im Magen des großen Bären“ CD-Produktion im Eigenverlag, 2001

- Siegfried Saerberg & Thomas Zwerina: "Stone Rag. La Partitura Sulle Pietre", im Ruhrlandmuseum Essen, März-Oktober 2003 (Ausstellung "Der Klang der Steine")

- Siegfried Saerberg & Thomas Zwerina: "Stone Rag. La Partitura Sulle Pietre", im Heinrich-von-Kleist-Haus für das Bundesministerium für Gesundheit in Berlin (Sep./Okt. 2004) in der Ausstellung "Lichtpause"

- "Der Fischer und das Licht" in: Menschen Hautnah. WDR-Fernsehen (29.10.2003.)


SOUND-PROJEKTE

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DOWNLOADS:

Thomas Zwerina:"Undine"(916kb)
mp3-track1

Thomas Zwerina: "Grönland" (692kb) mp3-track2

Saerberg-Zwerina: Programmausschnitt aus "Lichtpausen"(1,9mb) mp3-track3

Siegfried Saerberg: "Nachtwanderung" (3,4mb) mp3-track4

Siegfried Saerberg: "Klanglandschaft Ruhrgebiet" (5,7mb)q mp3-track5

Andrea Eberl: www.andreaeberl.de

TERMINE


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Radio aus der Finsternis

Freier Lokal Rundfunk Köln (FloK) und Verein Blinde und Kunst laden Interessierte zum Mitmach-Radio ein.

(Köln) Im Rahmen der ARD-Aktion "Ist doch Ehrensache" findet am 09. und 10. Mai, in der Leyendeckerstraße 9 eine außergewöhnliche Veranstaltung statt: In den völlig verdunkelten Redaktionsräumen des FLoK wird an diesen beiden Tagen zwischen 10 und 16 Uhr Live-Radio gemacht. Mitglieder des Vereins "Blinde und Kunst" führen interessierte Besucher durch die verdunkelten Studios und zeigen, was sich hinter den Radio-Kulissen verbirgt.

Das diesjährige Motto der ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache! - wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren", gab beiden Vereinen den Anlass, sich mit einer gemeinsamen Aktion zu präsentieren.
Beim „Freien Lokalrundfunk Köln“ (FLoK) kann jeder Radiointeressierte mitmachen. Hier produzieren sowohl Profis als auch Laien ehrenamtlich redaktionelle Beiträge, die im Rahmen des Bürgerfunks bei Radio Köln gesendet werden. So kann jeder mitreden und das Medium Radio für sein Anliegen nutzen. Auch Mitglieder des Vereins "Blinde und Kunst" produzieren regelmäßig Sendungen, und bringen dadurch einer breiten Öffentlichkeit u.a. das Thema Blindheit näher.
Machen auch Sie mit und kommen an diesem Wochenende zu „Radio Finsternis“. Neben einem kleinen Imbiss und vielen neuen Eindrücken erwartet Sie auch ein Mikrofon im Dunkeln, vor dem Sie einen Beitrag live anmoderieren können. Aber auch beim Schneiden von Beiträgen im Hellen werden Sie miteinbezogen - eine Möglichkeit Radio mit allen Sinnen zu erleben. Das Medium Radio kommt ohne Sichtkontakt aus - sie werden es live hören und spüren.

Rose Jokic

Ehrensache: Radio Finsternis (PDF-Download)

Kontakt:
Raphael Mader
Koordinator

Telefon:        0221 - 6201204
Mobil:           015229474297
Email:           mader@igelwald.de       


PRESSESPIEGEL
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Aus Kölner Stadtanzeiger vom 16.06.1995 "Im Dunkeln erhellen sich die Sinne" von Michaela Paus:
"Im Museum halten zumeist Schilder mit der Aufschrift "Berühren verboten" die Betrachter auf Distanz. Bei der Ausstellung "Sinnenfinsternis" ist das Berühren der Objekte und Bilder dagegen ausdrücklich erlaubt. Nicht mit den Augen, sondern mit Händen, Nase und Ohren sollen die Kunstwerke erfaßt, gerochen und erhört werden.
Mit der "Sinnenfinsternis" setzen die Künstler der Reizüberflutung, die im Alltag ebenso wie im Museum Tag für Tag die Augen fordert, eine bewußte Reduktion entgegen.
Mit der Dunkelheit der Augen erhellen sich die anderen Sinne. Zwischen dem kühlen Eisenobjekt von Rückriem und den runden Keramiken der blinden Künstlerin Jutta Keul weisen Klanginstallationen den Weg durch die Finsternis. Die Dunkelheit regt die Vorstellungskraft an. Im Kopf erst entstehen die Farben."

Aus taz vom 06.07.1995, "Bilder im Kopf, Shanties im Ohr" von Iris Schneider:
"Muscheln knirschen unter den Füßen, Wind weht und das Meer rauscht. Die blinden Führer drücken die Besucher sanft auf die Sitzgelegenheiten: Schlauchboote, Strandkorb und einige Stühle. Nichts, wirklich gar nichts ist zu sehen. Aber aus den Geräuschen, dem Gefühl des Sands unter den Füßen und dem leichten Schwanken des Schlauchbootes formen sich Bilder im Kopf: weißer Strand, blauer Himmel, grünes Meer. Jemand findet eine Ananas, ein anderer öffnet eine Flasche Sonnenmilch, die sofort den typischen Geruch nach Sommer und Baden verströmt. Im allgemeinen Tasten und Erfahrungsaustausch bieten die Gastgeber Getränke feil. Aber wie bezahlen im Dunkeln? Kein Problem, die Experten im Nicht-Sehen erkennen die Zahlungsmittel und geben das Wechselgeld korrekt raus. In diese Atmosphäre mischen sich Klaviermusik und Gesang. Brüchige Stimmen und Mundharmonika sind der richtige Rahmen für Shanties, die das Publikum ungeniert mitsingt."

Aus Hildesheimer Allgemeiner Zeitung vom 02.10.1995, "Mit Kunst im Dunkeln voll ins Schwarze getroffen":
"Aber wo ist eigentlich die Bühne? Die Antwort läßt erstmal auf sich warten. Bis Martin Heim, pardon: Lotte Börtner, die unsichtbare Bühne betrat. Von Alex Goretzki souverän am Klavier begleitet, präsentierte er größtenteils unbekannte Chansons. Zum Glück durfte man sich sein knappes Kostüm nur vorstellen: Er/Sie trug eine Walnußschale mit Schlitz bis zum Knie. Sehr schwungvoll und witzig sang er sich durch den Abend, manchmal als älterer Herr auf der Suche nach dem blonden Traumpartner, dann wieder als "Dame in Aspik", die sich gelieren lassen muß, um ihrem Freund zu gefallen."

Aus BILD Hamburg vom 17.01.1996, "Blackout – Kunst in der Dunkelheit" von Deborah Gottlieb:
"Niko, der Zauberer, beginnt mit seiner Show, drückt mir Hut und Zauberstab in die Hand. Etwas flattert um meinen Kopf. Eine Taube fliegt in die Dunkelheit, setzt sich auf meine Hand. Ich lächele in die Finsternis und weiß, Niko merkt es.
Draußen blendet das Tageslicht, und ich ahne, daß wir nicht nur mit unseren Augen sehen können."

Aus Westdeutsche Zeitung vom 12.02.1996, "Begegnung der sinnlichen Art":
"Unglaublich, wie deutlich und genau man hinhört und hinfühlt - allein bei schon so simplen Sachen wie dem Bestellen eines Bieres.
Körperräume verschieben sich: eine fast intime Nähe zu den Gegenständen und auch zu den fremden Stimmen im Raum stellt sich ein. Bis an die 50 Neugierige stolperten, stießen und tasteten sich ihren Weg durchs Cafe und später zum Zuhörerraum, wo mit Musik- und Sprechdarbietungen noch weitere unglaubliche Klang- und Hörerfahrungen gemacht werden konnten.
Die Performance Blackout war für alle ein wohl einmaliges, kaum in unsere blickzentrierte Sprache zu übersetzendes Erlebnis."

Aus allgemeines deutsches Sonntagsblatt vom 08.03.1996, "Irgendetwas gluckst" von Detlef Grumbach:
"Die Geräuschkulisse ist total. Aus allen Richtungen blubbert und plätschert es. Atlantis heißt das Motto des Abends. Wir befinden uns auf der untergegangenen Insel. Ein Walfisch schwimmt vorbei, ein Taucher plätschert über mir, irgendetwas gluckst. Mit den Füßen erkunde ich den Boden. Wir gehen auf Sand, auf dem Meeresgrund.
Je weniger man ins Dunkel starrt, um vielleicht doch einen Blick auf etwas zu erhaschen, je mehr man sich auf Gehör und auf Tasten konzentriert, desto mehr taucht man in eine fremde Welt ein und findet sich langsam in ihr zurecht."Aus Allegra von März 1996, "Ob Du mich siehst ist mir egal, ich hab ein Bild von Deiner Seele" von Raphael Pilscheck:
"Ist jemand neben mir", fragt plötzlich eine helle Frauenstimme direkt neben meinem Ohr.
Ich beuge mich leicht in die Richtung der Stimme. Die Frau riecht nach Parfüm. Ein herber Duft. Nicht schlecht.Ich dagegen muffele sicherlich nach Rauch. Hätte ich wenigstens mehr Aftershave aufgelegt. Meint ihr Duft mich? Eine Hand berührt mich am Ärmel. Endlich etwas greifbares, etwas, woran meine Sinne sich festhalten können. Wie sie wohl aussieht?

Aus Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 08.05.1996, "Durch den dampfenden Dschungel der Dunkelheit":
"Durch den dampfenden Dschungel der Dunkelheit: Neben den Schritten auf hölzernem Grund hört man leises Wassergeplätscher. Grillen zirpen, Dschungelgeräusche aller Art erfüllen den Raum. Eine ganz besondere Dimension bekommt im Dunkeln der Klang des Didgeridoo. Dieses australische Blasinstrument weckt mit seinen dumpfen, archaischen Tonwelten ganz eigenartige, melancholisch-freudige Empfindungen.
Die Performance Blackout bietet für Sehende eine ungeahnt eindrückliche Möglichkeit, einen Schritt in die Welt der Blinden zu wagen."

Aus Wochenpost vom 15.5.1996, "Treffen wir uns im Schwarzen" von Raphael Pilscheck:

"Tommy, ganz in knatschendem Leder, nimmt die Bestellungen entgegen. Der Blinde trägt die Biere, Saft- und Sektgläser behende durch die engen Reihen. Robby hilft Tommy. Robby hat eine durchdringende Stimme, wie ein Gangster aus einem amerikanischen dreißiger Jahre Film. Radioreif. Über seiner Stimme liegen Geräusche von Kühen, Pferden und Hähnen. Als alle ihre Getränke haben, beginnt Yank Hawlin zu singen. Es ist Countryblues, tiefer Whiskey gegerbter Blues. Später erzählt Yank, daß es ein ungewöhnliches Gefühl ist, von einem Blinden auf die Bühne geführt zu werden, da die meisten alten Bluessänger blind sind und von einem Sehenden auf die Bühne gebracht werden."

Aus Süddeutscher Zeitung vom 27.07.1996, "Sehen schützt vor Blindheit nicht" von Detlef Grumbach:
"Diese Veranstaltungen führen Sehende und Blinde gleichermaßen In eine verkehr-te Welt. Die Sehenden tapsen hilflos in einen Raum, verlieren im ersten Moment jede Orientierung und müssen blind vertrauen: Hat der Kassierer den Zwanzigmarkschein erkannt, hat er wirklich ein Fünfmarkstück herausgegeben?
Hinter der zweiten Lichtschleuse sind alle Besucher völlig gleich - mit einem kleinen Unterschied: Für die Blinden ist alles fast normal. Sie haben es gelernt, sich im Dunkeln zurechtzufinden, sich an Geräuschen oder an einem Luftzug zu orientieren, der den Weg zum Ausgang weist. Doch auch sie befinden sich in einer verkehrten Welt, denn hier sind sie es, die, im Unterschied zu ihrer alltäglichen Situation, um Hilfe gebeten werden. Sie führen die Regie, weisen den Weg, geleiten die Gäste zum Tresen und servieren Getränke. Das Vertrauen, das sie ihren sehenden Mitmenschen draußen entgegenbringen müssen, nehmen sie hier entgegen.
… Je mehr man die Augen schließt und in sich hineinlauscht, taucht man in eine völlig fremde Welt ein. Langsam verschiebt sich die Wahrnehmung - man glaubt sogar, sich etwas zurechtzufinden, erkennt Schritt für Schritt Vertrautes wieder. Man macht sich Zusammenhänge bewußt, die man auch sonst wahrnimmt, die man jedoch kaum bemerkt, weil das Auge sie zu unwichtigen Nebensächlichkeiten degradiert. Geräusche haben eine Richtung: Wo ist der Tresen? "Hier", ruft jemand rechts hinter mir - aber nicht direkt zu mir, sondern schräg an mir vorbei. Wenn die Stimme sich hinter dem Tresen befindet und geradeaus gesprochen hat, gehe ich also ein paar Schritte nach rechts, mache eine viertel Drehung und gehe dann direkt darauf zu. So einfach wäre das gewesen. Wenn da keine Säule stünde. Auf dem Rückweg zum Platz spüre ich den kalten Luftzug vom Eingang. Wie bin ich gegangen, als ich angekommen bin? Und irgendwo muß sich auch der Heizkörper befinden, den ich auf meinem Platz links vor mir spüre. Es dauert ein wenig, aber ich finde ohne fremde Hilfe zurück."

Aus WAZ vom 20.11.1996, "Mit Feingefühl eine Fremde Welt ertasten":

"Unzählige exotische Düfte spielen mit dem Geruchssinn Katz und Maus, während kreischende Affen und Papageien die Orientierung an der Nase herumführen. Eine halbe Stunde tasten, hören, schnuppern und fühlen sich die Besucher durch die stockfinstere Dschungelkulisse, angewiesen auf die Hilfe der blinden Begleiter. Die Phantasie geht durch, und die völlige Hilflosigkeit ist beklemmender als der brüllende Löwe direkt hinter mir. … Die ungewöhnlich und unvergessliche Veranstaltung entstand in Zusammenarbeit des kölner Vereins Blinde und Kunst und der Oberhausener Kulturförderung. Dschunelparties finde im Elsa-Brändström-Gymnasium noch am 22., 29 und 30.11. statt."

Aus Frankfurter Rundschau vom 15.12.1997, "Perspektive im Café Finsternis" von Karl-Otto Sattler:
"Aufschlussreiches im Café Finsternis, einer verblüffenden Installation in der Freiburger Dependance des Südwestrundfunks (SWF): Hunderte von Besuchern strömen ins Zappendustere, zum Highlight der SWF-Hörspieltage. Was da drei Tage lang "erblindete" sehende und Blinde in einer ungewohnten Situation sagen, wird von einem SWF-Team um den Berliner Autor Joy Markert zu einem Hörspiel verarbeitet. Ein kleines Abenteuer, auf dessen Resultat auch die Macher gespannt sind: die Reaktionen der Mitspieler, des Publikums, sind spontan, eine Art Live-Act ohne Drehbuch. Markert, der mit Friedlinde Betz Regie führt: "Wir thematisieren in unserem Hörspiel den Umgang mit der Orientierungslosigkeit". Realitätserfahrung ohne Augenlicht: "Ein Hörspiel ist mehr als ein Film ohne Bilder". Die Idee zu diesem Projekt hatten SWF-Redakteur Thomas Lehner und Siegfried Saerberg vom Verein "Blinde und Kunst" in Köln.

Aus Junge Kunst vom Februar 1998, "Blinde und Kunst e.V. von Engelbert Broich:
"Ein Erlebnisparcours für Sehende und Blinde zeichnet indirekt für das Zustandekommen des Vereins "Blinde und Kunst e.V." verantwortlich. Siegfried Saerberg, 1961 sehbehindert geboren, mit 20 erblindeter Philosoph und Soziologe, war einer der Organisatoren der 1992 in Hamburg durchgeführten Aktion "Dialog im Dunkeln". Deren Verlauf ließ in ihm die Idee eines Projekts "Blinde und Kunst" keimen, und im selben Jahr wurde mit Gleichgesinnten in Köln dessen Gründung vollzogen. Angestrebt wird die Verwirklichung folgender Ziele: Blinden KünstlerInnen aller Sparten soll ein Forum geboten, Kunst für Blinde zugänglich, die Öffentlichkeit auf die besondere Problematik aufmerksam gemacht werden. Man hofft mittels der Kunst Sehenden die Erlebnis- und Gestaltungsdimensionen von Blinden näher bringen, Blinde und Sehende zusammenführen zu können."


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